Young- & Oldtimer im Alltag

SAAB 900 II – Erfahrungsbericht!

Ein neues Fahrzeug muss her. Warum nicht einen Saab – der 900er als Cabrio – ein grandioses Auto! Nur der Preis von dem ersten 900er war zu hoch, also kam nur die zweite Serie des 900er infrage. Nach kurzer Suche bin ich fündig geworden. Einen Saab Cabrio 900er, 2.0 Turbo Automatik mit Getriebeschaden – Austauschgetriebe dabei. 

Das Auto stand in Mitteldeutschland und befand sich bei der Besichtigung in der Garage. Der gute Zustand des Fahrzeugs fiel sofort auf, bis auf einen kleinen Parkrempler in der Beifahrertür, präsentierte sich das Fahrzeug in einem hervorragenden Zustand. Die Technik: die Bordelektronik zeigte ein defekt am Getriebe, das Radio und Sitzheizung waren ohne Funktion. Das Cabriodach sollte nach Verkäuferaussage, gut funktionieren. Es öffnete aber nicht, das Zahnrad des Klappenmotors drehte durch. Der Tipp, ein bisschen Fett reicht um das Problem zu beheben – war untertrieben. Wie sich später rausstellte, war es leider auch nicht dicht. Der Wagen sprang mit Überbrückungshilfe sofort an und lief seidenweich. Eine Probefahrt war mit dem Getriebeproblem leider nicht möglich. Nach kurzer Überlegung haben wir uns entschlossen, dass Fahrzeug mit dem Ersatzgetriebe aufzuladen und ihn mit in den Norden zu nehmen.


Er kommt seiner Heimat Trollhätten immer näher …

… damit wird es aber nicht einfacher! Die erste Sichtprüfung ergab, die Sicherung im Radio war defekt, ein neuer Schaltlagensensor löste nicht das Getriebeproblem und es gab einen Wartungsstau. Die Heckklappe zeigt leichten Rostbefall im Innenfalz, ansonsten ist der Lack in einem super Zustand. Die Funktion des Cabriodaches ist eingeschränkt, zusätzlich ist es leider nicht dicht. Trotz der Probleme, hat sein Vorbesitzer es gut mit ihm gemeint. Das Auto hat bei aktueller Laufleistung von 210.000 km eine Motorrevision bei 180.000 km bekommen. Die Quittungen zeigen, dass viele Reparaturen fachmännisch ausgeführt wurden, aber anhand der Menge der Quittungen kann ich schon verstehen warum er verkauft wurde.

meine Ersatzteil-Liste:

Getriebe
Schaltlagensensor
Batterie
Bremsen vorne
Luftfilter
Innenraumfilter
Scheibenwischer
Zündkerzen
Motoröl
Getriebeöl
Bremsflüssigkeit
Mittelschalldämpfer
Endschalldämpfer
Lambdasonde
Sommerreifen

Nun zum Getriebe. Grundsätzlich kein Problem, es selber zu wechseln. Wir haben uns dazu entschlossen es in der Werkstatt machen zu lassen. Die Werkstatt hatte keine Erfahrung mit Saab. Erst die Tipps und das richtige Equipment eines erfahrenen Saab Schraubers, der hinzugezogen wurde, brachte den gewünschten Erfolg. Bei der Reparatur ist leider die Motorhaube auf die Motortraverse gefallen, sodass wir eine neue Lackierung der Haube bekommen haben. Für den TÜV brauchte er vorne neue Bremsen und einen neuen Endschalldämpfer. Nun hat er TÜV und ist zugelassen. Das Dach funktioniert noch nicht 100% und ist undicht, der Verbrauch liegt bei 14,7 l und zusätzlich kommt jetzt ein Klopfen von der linken Achsseite und der Auspuff schlägt an die Karosserie. Aber gut, das lässt sich lösen. Ich bin nur froh das wir ihn nach endlos langen Wochen zurück haben.


Das Cabriodach geht nicht auf, der Verdeckklappenmotor macht mit!

Es ist der Klappenmotor der nicht mit genügend Tiefe in das Getriebe greift. Der erste Ausbau des Motors gestaltet sich schwierig. Eine frühere Werkstatt hat die Druckplatte an das Getriebe fixiert, dadurch wird das Aufklappen behindert und der Gelenkarm lässt sich nicht wegdrehen. Ein von drei Schrauben um den Motor zu lösen, liegt direkt unter dem Gelenkarm. Nach ein bisschen gefummel ist auch diese Schraube raus, zusätzlich werden 3 Bowdenzüge ausgehängt und beschriftet und die Elektrik gelöst. Die beiden Madenschrauben von dem Verbindungsgelenk lösen und den Motor liften.

Auf den ersten Blick zeigt der Motor das Problem, die Druckplatte wird von einer Seite mit einem Bügel gehalten, die andere Seite ist frei. Durch die Verwindungen verzieht sich die Platte und kommt nicht weit genug in das Getriebe. Durch diesen Abstand kommt es zu dem Durchrutschen des Zahnrades. Durch das durchrutschende Zahnrad wird nicht nur das Zahnrad verletzt sondern auch unter Umständen das Getriebe des Motors. 

Das Verstärkungskit wurde von SAAB empfohlen – so wird’s verbaut!

• 4 Schrauben lösen, mit denen der Motor am Halter befestigt ist.
• ich treibe die alte Welle aus dem Klappmechanismus.

In den meisten Fällen muss die Druckplatte gerichtet werden. Hierzu treibe ich die alte Achse in die Druckplatte, sodass ich sie richten kann. Hier gehe ich ein bisschen grober vor! Aber vorsicht, die Augen dürfen nicht abbrechen! Zur Kontrolle probehalber mit alter Achse montieren. Motor und Getriebe müssen plan aufeinander liegen.

• die Augen am Motor und Druckplatte mit einem 6 mm Bohrer aufbohren.
• Passung überprüfen mit dem neuen Bolzen. Ob es gut passt, sieht man erst wenn es ganz zusammengebaut ist.
• dafür setze ich die neue Achse mit Feder ein.
• Stützfüße und Sicherungsring aus dem Kit montieren.
• Gehäuse auf dem Blechträger montiert, sodass die Position der Füße markiert werden kann.
• Dann die markierten Löcher mit einem 6,5 mm Bohrer aufbohren.
• Getriebegehäuse montieren und die Stützfüße durch die neuen Löcher festschrauben.
• Noch einmal prüfen, ob der Motor plan auf dem Getriebegehäuse aufliegt, ggfs. Richtvorgang nochmal wiederholen.

Ein Erfolg der Reparatur ist von der richtigen Stellung der Druckplatte zum Gehäuse abhängig.

Mir fällt auf, dass mein Zahnrad nicht mehr Original ist, deshalb benötige ich ein Trennmesser. Das Zahnrad läßt sich normalerweise einfach von der Welle abziehen und sollte unbedingt gewechselt werden. Das schlimmste was passieren kann, dass das Getriebe zu Schaden kommt. Die Getriebe-Zahnräder kann man nicht erwerben.

• Sicherungsring entfernen.
• altes Antriebsrad abnehmen.
• neues Antriebsrad aufsetzen.
• Sicherungsring montieren

Es braucht ein wenig Übung, wieviel der Druckplatte zugemutet werden kann. Erst ein weiterer Ausbau des Motors hat die Entscheidung für einen funktionierenden Motor gebracht. Seitdem öffnet der Klappenmotor einwandfrei, obwohl ich denke, dass die Druckplatte in Abständen immer mal wieder nachjustiert werden muss.


Es wäre schön wenn es dicht wäre!

Jetzt wo der Klappmechanismus wieder funktioniert, wäre es schön wenn das Dach auch den Regen draussen hält. Am Anfang hatte ich gedacht, es liegt an den Abläufen der Gummis, die natürlich intakt und gut sein sollten, aber nein, es liegt an dem Dach selber. Die Zwischenschicht die das Dach abdichtet, ist an einigen Sollbruchstellen undicht. Bei mir sind es 5 Stellen, jeweils an den beiden Gestellstreben aussen rechts und links und 1x direkt in der Mitte. Das Wasser kommt in relativ großen Mengen ins Auto. An eine Fahrt im starken Regen, kommt im Norden oft vor, ist nicht zu denken. Das Beste wäre wahrscheinlich ein neues Dach, kommt finanziell aber frühestens nächstes Jahr infrage. Es muss eine andere Lösung her. Ich werde eine neue Imprägnierung ausprobieren. 

Den Anfang mache ich mit ganz herkömmlichen Mitteln – Verdeckreiniger und Imprägnierer von Liqui Moly. Das reinigen mit einer Bürste und anschliessenden Versiegelung, macht schonmal ein schönes aber nicht wasserdichtes Verdeck. Jetzt probiere ich zusätzlich die neue Versiegelung. Das Mittel ist flüssig und in einer Sprayflasche und soll offenes Gewebe schliessen und Wasserabweisend machen. Jetzt stellt sich die Frage wie offen darf das Gewebe sein? Ich probiere es!

SAAB 900 II – Erfahrungsbericht!

100 ml sind in einer Flasche, die gesamte Menge sprühe ich auf das Dach. Lass es trocknen und fahre am nächsten Tag in die Waschanlage. Ich hatte das Gefühl das Verhalten des Wassers während der Wäsche war ein anderes, man kann sich das auch Einbilden. Wichtig, es soll draussen bleiben. Nach der Wäsche überrascht mit das Ergebnis, es gibt keinen Wassereinbruch, an keiner Stelle. Nun muss man mal einen regnerischen Tag abwarten, ob das Dach einen solchen Stand hält. Zusätzlich wäre die Frage, wie lange die Imprägnierung hält.


Viel fehlt nicht mehr!

Er schaltet butterweich und das Dach öffnet/schließt und ist dicht, trotzdem verbraucht er im Durchschnitt 14,7 Liter, zuviel! Auch das Poltern von der Vorderachse muss schnellstens behoben werden.

Als erstes bekommt er eine neue Regelsonde, die sollte bei 160.000 km gewechselt werden. Da waren wir schlappe 50.000 km drüber. Und tatsächlich pendelt sich der Verbrauch bei 10,4 l ein. Ob das allein an der Lambdasonde lag, vielleicht Wetter?, vielleicht Fahrweise? Egal, hauptsache der Verbrauch ist runter.

Nun zum Poltern an der Vorderachse: die erste Stichprobe ergab, nichts. Das sieht erstmal gut aus, auch der Test mit dem Hebeleisen ergab nichts. Pro aktiv, Wechsel ich den Spurstangenkopf und die Koppelstangen aus. Das Poltern bleibt. Mein Verdacht fällt auf die Antriebswelle. Beim Wechsel des Getriebes, habe ich gesehen, wie der Mechaniker die Wellen nicht ausgebaut, sondern mit ihrem Eigengewicht, radseitig steckend hat runterhängen lassen.

Der Ausbau der Achsenaufhängung ist nicht besonders aufwendig, die Schwierigkeit für mich lag in der Trennung der Antriebswelle vom Getriebe. Ich beschloss einen weiteren Anlauf an einem anderen Tag und baute alles fachgerecht mit dem richtigen Drehmoment wieder zusammen. Das Poltern vom Auspuff, war eine falsch montierte Schelle, die an die Karosserie geschlagen hat. Alles wieder an seinem Platz machte ich mich auf den Heimweg, und war überrascht, dass es kein Poltern mehr gab. Der Wagen fuhr wie auf Schienen, leise und souverän. Machmal muss man auch mal Glück haben!


Aller Anfang ist schwer!

Zugegeben, er hat ein schweres Erbe angetreten. Der Anfang gestaltete sich sehr zäh mit dem SAAB, da war der hohe Verbrauch, das nicht funktionierende Dach und die vielen kleinen Befindlichkeiten. Trotzdem hatte der SAAB 900 II soviel Potential, dass er eine Chance, mehr als verdient hat. Am Ende der Saison hat er uns komplett überzeugt und die Vorstellung dieses tolle Auto mit seinen 185 PS nächstes Jahr wieder fahren zu dürfen, erfüllt mich mit Freude. 

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