Young- & Oldtimer im Alltag

Dem Mini so nah – Getriebe ausbauen und reparieren!

Weihnachtsferien 2019, die Vorbereitungen der Schweißarbeiten für den MGB laufen. 2 Wochen, die mehr oder weniger frei zur Verfügung stehen, so die Theorie. Da fährt ein schwarzer BMW Mini R50 mit Getriebegeräusch in die Garage. Mein Tochter, stolze Besitzerin eines Minis, hat Probleme mit ihrem Mini. Nach BMW Prüfung: Getriebeschaden, der nur durch ein neues behoben werden kann. Kosten ca: 6.000 €  – selbstverständlich haben wir gleich einen Termin gemacht und lassen ein neues Getriebe einbauen.

Ein paar Telefonate und Recherchen später, steht fest, wir können es nur selber machen, damit die Kosten im Rahmen bleiben. Zusätzlich finde ich das Projekt ganz reizvoll. Die Prognose ist nicht rosig – da hilft nur Ärmel hochkrempeln.

Ok, der Gedanke ist gefasst und wird am Wochenende in die Tat umgesetzt. Freitagabend, erstes Treffen in der Garage um den Platz für die Reparatur zu schaffen. Alle Autos werden rausgefahren oder geschoben, wobei nur der Älteste angesprungen ist. Nun kann der Mini rein, und die anderen finden Platz in den entstandenen Lücken.


Die Arbeitsschritte nehmen kein Ende!

Dem Mini so nah – Getriebe ausbauen und reparieren!

Samstag 10:00 Uhr, alle sind pünktlich. Das Familienprojekt kann beginnen. Fahrzeug aufbocken. Nun die Teile von oben heraus ausbauen bis wir am Getriebe ankommen. Ich werde die einzelnen Schritte tabellarisch aufführen:

  • Fahrzeug aufbocken
  • Batterie abklemmen
  • Luftfilter ausbauen und entnehmen
  • Batterie und Kasten ausbauen und Steuergerät entnehmen (Fixierungen zur jeweiligen Seite ziehen)
  • Hydraulik-Behälter abschrauben und Halter entnehmen
  • Kugelgelenke der Schaltseile entfernen
  • Schaltseile aus den Haltern entfernen
  • Stecker des Rückfahrlichtschalters abziehen
  • Abschirmblech am Krümmer lösen und nach links entnehmen
  • beide Radhausverkleidungen ausbauen
  • untere Motorverkleidung ausbauen
  • ABS/Raddrehzahlsensor sowie der Bremsverschleißanzeige abklemmen
  • Bundmuttern der Antriebswellen entsichern und lösen
  • Vorderachs-Bremssättel lösen und Bremssättel von den Bremsscheiben ziehen/Bremssättel hochbinden
  • Spurstangenköpfe lösen und Spurstangenköpfe vom Achsschenkel abziehen
  • Muttern der Querlenker lösen und Querlenker mithilfe eines Kugelkopf-Ausdrückers abziehen
  • Schrauben der Achsschenkel zum Federbein lösen und entfernen
  • Antriebswelle der Fahrerseite lösen
  • alle Schrauben vom Vorderachsrahmen lösen, gegen abfallen sichern und Achse/Lenkgetriebe abfangen und rausfahren
  • Frontstoßfänger und anschließend den kurzen Träger des Vorderachsrahmen der Fahrerseite lösen und entfernen
  • Antriebswelle der Beifahrerseite lösen und entfernen
  • Motor abstützen Traverse/Kran oder Wagenheber
  • Kupplungsnehmerzylinder, Anlasser und Motoraufhängung entfernen und Öl aus dem Getriebe ablassen
  • den Motor ablassen und Getriebe sichern, dann alle Befestigungsschrauben des Getriebes lösen und Getriebe nach unten aus dem Motor rangieren

Da ist das gute Stück!

Dem Mini so nah – Getriebe ausbauen und reparieren!Tatsächlich muss ein großer Zeitaufwand betreiben werden um alle Teile auszubauen. Gebraucht haben wir ca. 10 Stunden, aufgeteilt auf 2 Tage. Diverse Schrauben und Teile liessen sich nicht lösen und hielten dem hohen Druck letztlich nicht Stand. Dazu später mehr.  Jetzt aber wieder zum Getriebe, unserem eigentlichen Schaden.

Das Getriebe GS5-52BG besteht aus 2 Teilen und der Getriebedeckel kann abgenommen werden, sichtbar wird das Differential und das Schaltgetriebe. Alles sieht gut aus, alle Zähne sind noch in Funktion. Abrieb nach 15 Jahren im normalen Bereich. Ok, die meisten Lager liegen im Getriebedeckel und im herausnehmbaren Differential, Reparatur sollte möglich sein.


So werden wir den Schaden reparieren!

Jetzt wo alles ausgebaut vor uns liegt, machen wir den Plan für die eigentliche Reparatur. Erst wird alles gereinigt und defekte Teile ersetzt. Das Radlager vorne links und der Gelenksatz Antriebswelle werden prophylaktisch getauscht. Die Kupplung scheint neu zu sein, sollte aber auch ersetzt werden. Der linke Achsschenkel ist eine ewige Verbindung mit dem Federbein eingegangen, lässt sich nur mit der Flex trennen. Ersatz wurde auf dem Gebrauchtmarkt besorgt und mit neuem Axialgelenk und Radlager versehen. Die Sicherungsschraube von der linken Bremsscheibe läßt sich nicht lösen, auch Schlagschrauber oder Hebelverlängerung helfen nicht weiter. Die Bremsscheibe muss ersetzt werden. Als letzten Schritt werden die Lager vom Getriebe erneuert, die Arbeit braucht unser ganze Aufmerksamkeit, ist für Samstag angesetzt.


Lager aus dem Getriebe ziehen!

Den Anfang machen die Lagerschalen des Differential, die haben im Deckel eine Ausbuchtung um das Werkzeug einzuführen und lassen sich dadurch gut rausziehen. Die Kegelrollenlager stellen auch kein großes Problem da. Bei dem Nadelhülsenlager sieht das schon etwas anders aus, da braucht es ein Werkzeug, dass den Pressdruck nach aussen ableitet und die Greifffläche gibt auch nicht viel her. Zusätzlich ist der Getriebedeckel an dieser Stelle besonders dünn.

Momentan steht uns keine Hydraulikpresse zur Verfügung, daher müssen wir in eine Selbsthilfewerkstatt ausweichen. Stellt aber kein Problem dar.

Dem Mini so nah – Getriebe ausbauen und reparieren!

Lager in das Getriebe pressen!

Das Einpressen der Lager in umgekehrter Reihenfolge, wird von einer gewissen Vorsicht begleitet, die natürlich der Unerfahrenheit geschuldet ist. Aber, letztlich geht alles gut und das Getriebe kann wieder zusammengebaut werden. Die Kontaktflächen haben wir mit Hylomar versehen und die Schrauben mit 32 Nm angezogen. Nun werden wir am Wochenende die Kupplung noch erneuern und das Getriebe kommt wieder rein.


Die Stunde der Wahrheit!

Getriebe ist wieder eingebaut und alle weiteren Teile an ihrem Platz. Vor dem Test sind wir ein wenig aufgeregt ob unsere Bemühungen belohnt werden. Der Start glückt und das Getriebe läuft sauber ohne Geräusche. Auch die Probefahrt verläuft ohne weitere Zwischenfälle.

Die Überarbeitung hat zwar Zeit und Geld gekostet, aber unter dem Strich steht eine überholte Vorderachse und Getriebe, die uns Zufrieden macht.


Liste der zu tauschenden Teile:

Lager für Getriebe: 150,- €
Gelenksatz Antriebswelle: 32,- €
Radlager: 66,- €
Traggelenk: 18,- €
Luftfilter: 8,40,- €
Ventildeckeldichtung: 12,- €
Kupplung: 90,- €
Zentrierdorn: 19,- €
Bremsscheibe: 24,- €
BMW, Batteriebefestigung: 18,- €
BMW, diverse Spreitznieten: 4,50 €
BMW, diverse Schrauben: 13,- €

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